26.04.2011

Die Urananreicherungsanlage in Gronau

Betreiberin der Anlage ist die Urenco Deutschland GmbH, eine Tochter der Urenco Group, die für 25 % der weltweiten Produktion des für den Betrieb von Leichtwasserreaktoren benötigten angereicherten Urans verantwortlich ist.

RWE und Eon sind zu einem Drittel an der Urenco beteiligt (Uranit GmbH). Außer in Gronau betreibt die Urenco noch Werke in Almelo, in England und in den USA. Die Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau ist die einzige Anreicherungsanlage in Deutschland.

Was macht eine Urananreicherungsanlage?

Sie wandelt Uran in einen Teil angereichertes und einen Teil abgereichertes Uran um. Das angereicherte Uran wird dann weiter verarbeitet zu Brennstäben für Leichtwasserreaktoren. Warum macht sie das? Uranvorkommen bestehen aus einem Gemisch der Isotope Uran 235 und Uran 238. Der Anteil von Uran 235 liegt bei nur 0,7 %. Ein Brennstab für Leichtwasserreaktoren muß aber einen Anteil von 3-5 % Uran 235 haben. Deshalb wird der zunächst gleichmäßige Anteil U 235 so verschoben, dass ein Teil des Urans auf 3-5 % U 235 angereichert, der andere Teil eben abgereichert wird.

Wie macht sie das?

Mit Zentrifugen. U235 ist um 0,85 % leichter als U238. Im Gasförmigen Zustand bewirkt das Zentrifugieren also, dass sich U238 langsam nach außen bewegt und U235 entsprechend nach innen, wo es gesammelt werden kann. Um das Uran in den notwendigen Gasförmigen Zustand zu bringen, wird es mit Flour verbunden. Das ist das berühmte Uranhexaflourid, was in Gronau unter freiem Himmel lagert.

Was kommt dabei raus?

Erstmal ein Haufen Atommüll, nämlich der abgereicherte Teil. Und 25 % des Weltbedarfs an weiterverarbeitbarem Uran für Leichtwasserreaktoren (in allen Anreicherungsanlagen von Urenco zusammen). Urenco beliefert auch Tepco, man kann davon ausgehen, dass in Fukushima auch Brennstoff der Urenco schwelt. Gronau beeliefert Kansia, den zweiten großen Betreiber von Atomanlagen in Japan. Ein großes Problem ist der Atommüll. Die Kosten für dessen Entsorgung sind nicht eingepreist. Abgereichertes Uranhexaflourid (UF6) wird kreuz und quer durch die Welt geschifft und mit der Bahn und über die Straße transportiert. Mit dem Zug via Münster-Rheine nach Rotterdam. In den Niederlanden ist schon einmal ein LKW verunglückt, mit glimpflichem Ausgang. Abgereichertes UF6 wird nach Russland verschifft, angeblich zur Wiederanreicherung. Es wird vermutet, dass das aber nur eine billige Art der Entsorgung ist. Der Umgang mit UF6 in Russland ist dem öffentlichen Blick entzogen und der größte Teil des gelieferten Materials bleibt in wiederum abgereicherter Form in Russland. Um dem Entsorgungsproblem zu begegnen, wird auch nach anderen Weiternutzungmöglichkeiten gesucht. So wird abgereichertes Uran in Form von Uranoxid für Trimmgewichte in Flugzeugen und als Panzer brechende Munition verwendet. Die Verwendung als Munition kontaminiert Kriegsschauplätze auf Dauer und die zivile Nutzung des Urans bringt die Gefahr der Proliferation (Weiterverbreitung) mit sich. In Gronau kann auch Atomwaffenfähiges Material hergestellt werden. Die UAA in Gronau ist Hauptlieferant der Advanced Nuclear Fuels GmbH, die in Lingen die einzige Deutsche Fabrik für Brennstäbe für Leichtwasserreaktoren betreibt. Damit wird fast der gesamte Brennstoff für Deutsche Atomkraftwerke im Münsterland und dessen direkter Umgebung hergestellt. Die NRW-Landesregierung plant eine Initiative im Bundesrat zur Stillegung der UAA.

www.anti-atom-aktuell.de/archiv/139/139uaa.htm

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