23.02.2012

Viele Fragen an Maria Klein-Schmeink

Für einen spannenden Abend sorgte die Frage „Ist gute Pflege noch bezahlbar?“. Die Veranstaltung des grünen Ortsverbandes mit der gesundheitspolitischen Sprecherin unserer Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink zeigte ein umfassendes Bild der Problemlagen im Pflegebereich, von den finanziellen Herausforderungen durch den demografischen Wandel bis zu Defiziten in speziellen Problemlagen.

Ca. 35 Besucher/innen nahmen das Angebot eines fachlichen Austausches wahr. Es hätten ein paar mehr sein dürfen, aber dafür versammelten sich größtenteils entweder beruflich oder privat direkt betroffene Menschen, so dass ein sehr intensiver und fundierter Austausch statt finden konnte.

Maria führte mit einem Vortrag in das Thema ein, in dem sie die prognostizierten Veränderungen in der Altersstruktur der Gesellschaft und die daraus resultierenden Anforderungen an unser Pflegesystem darstellte. Deutliche Kritik übte sie an der geplanten „Reform“ der Pflegeversicherung, die, so Maria, im Grunde nur die Beträge erhöht, die strukturelle Schieflage der Finanzierung aber in keiner Weise verbessert. Sie stellte dem jetzigen Modell den Vorschlag einer Bürger-Pflegeversicherung gegenüber, die alle Berufs- und Einkommensgruppen in die Verantwortung nimmt und die Lösung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe nicht allein den Arbeitnehmer/innen überlässt. Dazu müssen auch Selbstständige und Beamte in das System integriert und die Einkommensbemessungsgrenzen, also die Höhe, bis zu der Einkommen abgabepflichtig sind, deutlich angehoben werden. Durch diese Änderungen erhöht sich die Einnahmeseite um 4 Mrd. Euro und gleichzeitig werden auch zukünftige Kosten auf mehr Schultern verteilt.

Karin Fischer vom Demenznetzwerk in Telgte schilderte die konkrete Situation im Alltag und konnte vor allem zur Klärung der Fragen des meist direkt in das Thema involvierten Publikums viel beitragen. In dem langen freien Gespräch zwischen Publikum und Podium wurde auch klar, dass neben den zukünftigen Entwicklungen auch Defizite in der Abdeckung spezieller Problemlagen weiter bearbeitet werden müssen. So gibt es zum Beispiel im Kreis Warendorf kaum Hilfe zur häuslichen Betreuung von behinderten Jugendlichen. Auch der Begriff der „Barrierefreiheit“ muss, jenseits von Rollatoren und Rollstühlen auf Seh- und Gehöreinschränkungen ausgeweitet werden.

Insgesamt bekam die/der Teilnehmer/in einen anderen Blick auf die Aufgabe, die unsere Gesellschaft in der Pflege und Unterstützung alter und behinderter Menschen zu lösen hat. Fritz Adriaans, Ratsherr der Grünen in Telgte und aktives Mitglied des Vereins „Urlaub und Pflege“ befasst sich mit der Barrierefreiheit des Stadtzentrums von Telgte.

Sabine Grohnert, Sprecherin der grünen Ratsfraktion, führte sehr souverän und kompetent durch den Abend.

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